Karsten Engelhardt

Krimmidinner

Presseberichte

"Doppeltüren"

Dorothee L. Schaefer
Ravensburg

Schwarzer britischer Humor altert nie
Im Theater Ravensburg feierte „Doppeltüren“ von Alan Ayckbourn Premiere – Verwirrendes Spiel mit der Zeit .


Im Theater Ravensburg feierte „Doppeltüren“ von Alan Ayckbourn Premiere – Verwirrendes Spiel mit der Zeit . Großer Auftritt zuerst für die Musik im schwarz-weißgezeichneten Interieur des Bühnenbildes von Werner Klaus: Sie wird über die nächsten zwei Stunden der Leitfaden sein und die Impulse für die Handlung im Theater Ravensburg setzen. Für den 2013 gedrehten Film „Sag nicht, wer du bist" schrieb der libanesische Komponist Gabriel Yared diese großartige Filmmusik, die die Zuschauer in den fantastischen Krimi „Doppeltüren“ („Communicating Doors“) des britischen Erfolgsautors Alan Ayckbourn hebt. Schon der erste sichere Griff des Regisseurs Karsten Engelhardt in die Trickkiste einer guten Inszenierung. 
Um es gleich zu sagen: Selten waren zweieinhalb Stunden so schnell vorbei und so anregend. Denn Ayckbourns Stück spielt mit dem Thema Zeitreise so raffiniert, dass die üblichen Elemente eines Thrillers – Sex, Verbrechen, Liebesaffäre – fast zur Nebensache werden.

Die Handlung ist gewollt verwirrend: Das Stück beginnt im Jahr 2025, in dem der in letzten Tönen röchelnde Unternehmer Reece Welles (Marco Ricciardo), von Gewissensbissen geplagt, die junge Domina Phoebe alias Poopay (Stefanie Friedrich) von seinem alten Geschäftsfreund Julian (Wini Gropper) zu sich in sein Hotelzimmer bestellen lässt, um sein Geständnis, dass nämlich Julian seine beiden Frauen ermordet hat, aus dem Hotel herauszuschmuggeln. Phoebe landet bei ihrer Flucht vor dem sie bedrohenden Julian jedoch in einer Doppeltür, die in die Vergangenheit führt und zwar 20 Jahre zurück zu Ruella (Ana Schlaegel), der zweiten Frau von Welles und zu dem Tag, an dem diese aus dem Fenster gestürzt wurde. Noch eine Türumdrehung weiter kommt Ruella zurück zur ersten Frau von Welles: Jessica (Jutta Klawuhn), und ins Jahr 1985, als Jessica mit dem jungen Reece die Hochzeitsnacht in diesem Hotel verbringt. Dazu gibt es noch einen Hoteldetektiv (Alex Niess), der sämtliche Beteiligten in dem Hotel, das Welles später gehört, durch die Jahrzehnte hindurch kennt.
Eigentlich kann man diese Handlung nicht nacherzählen, zumal auch zwischendrin mal einiges, ganz im Dienste der allgemeinen Zeitverschiebung, nicht ganz kohärent erscheint. Denn der Witz dieses Stücks und seiner Inszenierung nebst den schrillen Kostümen besteht zum einen in den aberwitzigen Dialogen zwischen den Zeitreisenden und den ihn fassungslos Zuhörenden, die an ihrem Verstand zweifeln müssen. Zum anderen aber bietet das Stück Personendarstellung vom Feinsten, wie den Brutalo Julian, den Neuzugang Wini Gropper scharf zeichnet, oder Domina Phoebe, von der ebenfalls neu ans Theater gekommenen Stefanie Friedrich in schwarzer Lackcorsage opulent erotisch vorgeführt. Ihre Rolle ist die vielseitigste, wird sie doch später als Botin zwischen den Zeiten agieren oder am Ende – nein, das wird jetzt noch nicht verraten.

Pragmatisch denkende Frau
Ana Schlaegel legt die Ruella als pragmatisch denkende Frau an, die ihre Vorgängerin Jessica vor ihrem Tod zu bewahren versucht. Insgesamt könnte man sagen, dass Ayckbourn den Frauen in diesem Verwirrspiel bedeutend mehr Qualitäten zuspricht als den schwachgeistigen und liederlichen Männern. Die erhalten zumindest im Lauf der Zeitreise dann doch noch ihre gerechte Strafe.


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