Karsten Engelhardt

Krimmidinner

Presseberichte

Die kleine Hexe

Clingenburgfestspiele
So eine verflixte Hexerei
Clingenburg Festspiele: Die kleine Hexe verzaubert ihr Publikum - Gelungene Premiere des Kinderstücks Klingenberg

»Vintulus Ventus!«, ruft die kleine Hexe und ihr schwarzer Rabe Abraxas flattert herbei. Verhext noch mal, es regnet. Wäscheklammern und Mäuse prasseln auf das windschiefe Hexenhäuschen. Wie gut, dass das mit dem Gewitter hexen noch nicht so recht klappen mag. Bei der gelungenen Premiere des Kinderstücks nach Otfried Preußler am Samstagnachmittag bleibt es trocken auf der Clingenburg.
Dabei treibt die Wetterhexe Muhme Rumpumpel gewaltig ihr Unwesen, dass es in der Walpurgisnacht am Ende der Aufführung doch noch zischt und kracht - zum Glück alles nur Schall und Rauch dank technischer Effekte.

Hexe mit gutem Herz
Alexandra Kurzeja spielt die Hauptrolle der 127 Jahre jungen Hexe, die das Herz auf dem rechten Fleck und jede Menge Spaß hat, Bösewichtern eines auszuwischen. Durch natürlichen Charme und ihr Ausgeschlossensein aus dem Kreis der großen Hexen spielt sie sich vor allem in die Herzen der kleinen Zuschauer, die für eine kurzweilige Stunde in das magische Treiben auf der Burgbühne hineingezogen werden.
Geschickt lässt Regisseur Karsten Engelhardt die bekannten Szenen in der Rückblende ablaufen: Die kleine Hexe steht kurz vor der Prüfung vor dem Hexenrat und erinnert sich all ihrer guten Taten. Dabei wird sie von der Muhme Rumpumpel beobachtet, herrlich gespielt von Jonathan Aikins als bucklige Gewitterhexe mit Fliegerbrille. Herrlich anzusehen sind auch die anderen Hexen: Bei der Wald-, Wind-, Moor-, Knusper- und Kräuterhexe haben die Kostüm- und Maskenbildner ihrer Kreativität freien Lauf gelassen. Der Einfallsreichtum wird nur noch durch die Oberhexe getoppt (Aciel Martinez Pol als schwarze Diva im lila Federfummel).

Die kleine Hexe muss beweisen, dass sie eine »gute« Hexe ist, und hext daher nur noch Gutes: Den armen Holzweibern hilft der Revierförster plötzlich beim Reisigsammeln, die wohlduftenden Papierblumen des Blumenmädchens sind auf dem Jahrmarkt auf einmal heiß begehrt und der Ochse Korbinian endet doch nicht als Braten des Schützenvereins, weil alle Kugeln ihr Ziel verfehlen - die kleine Hexe hilft den Armen und straft die Bösewichter. Wie soll sie auch ahnen, dass eine gute Hexe immer nur Böses hexen darf?

Lustige Details, tolle Lieder
Immer wieder gibt Regisseur Karsten Engelhardt den Figuren einen witzigen Dreh, baut geniale Details ein. Wenn etwa der Maronimann (Eddie Jordan) mit Hilfe der kleinen Hexe plötzlich nicht mehr friert und gut gelaunt im Hawaiihemd tanzt oder die Muhme Rumpumpel wieder mal getarnt als schnüffelnder Reporter der Lokalzeitung irre hinter einem Baum hervorlugt, lachen sich nicht nur die kleinen Zuschauer halbkaputt. Geschmunzelt werden darf in der Tat viel, bei diesem liebevoll inszenierten Stück, in dem natürlich auch die choreographierten Lieder nicht fehlen- was besonders in der Szene mit dem Hexenrat fantastisch rüberkommt.

Am Ende tanzt die kleine Hexe mit ihrem klugen Ratgeber, dem Raben Abraxas (Susanne Anders im schwarzen Federkleid), um den Scheiterhaufen aus Besen der großen Hexen. Sie will gar nicht dazugehören, sie geht ihren eigenen Weg. Die Moral von der Geschichte: Die Großen sind es nicht immer wert, ihnen nachzueifern. Und wer seinen eigenen Werten folgt, gewinnt automatisch die richtigen Freunde. Und so lautet die Botschaft, die vielleicht einst auch Otfried Preußler im Sinn hatte als er die kleinen Hexe 1957 schrieb: Wer Gutes tut, kann vielleicht auch hexen.
Sylvia Breckl
Quelle: Main-netz.


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